„Ich möchte Portugiesisch lernen.“

Das klingt zunächst nach einem klaren Lernziel. Aber reicht es aus, eine Sprache zu nennen, um zu wissen, was man lernen sollte und wie der Lernprozess aussehen muss?

Stellen wir uns zwei Menschen vor. Einer möchte nach Brasilien ziehen, dort leben und arbeiten. Die andere Person bereitet sich auf ein Leben in Portugal vor.

Beide möchten Portugiesisch lernen. Trotzdem können sich ihre sprachlichen Umgebungen, Gesprächspartner und kommunikativen Anforderungen erheblich unterscheiden.

In Videolektion Nr. 21 erklärt Tymur Levitin, warum die Entscheidung für eine Sprache noch keine Entscheidung für den passenden Lernweg ist.

Brasilianisches und europäisches Portugiesisch: eine Sprache, unterschiedliche Kommunikationsräume

Brasilianisches und europäisches Portugiesisch sind Varietäten derselben Sprache und keine zwei vollständig voneinander unabhängigen Sprachen.

Dennoch können Unterschiede in der Aussprache, im Wortschatz und im alltäglichen Sprachgebrauch beeinflussen, welche Hörmaterialien sinnvoll sind, welche Ausdrücke man zuerst kennenlernt und an welche Sprechweisen man sich gewöhnt.

Ein einfaches Beispiel ist das Wort „Bus“.

In Brasilien hört man normalerweise ônibus, in Portugal dagegen autocarro.

Entscheidend ist jedoch nicht, zwei Wörter auswendig zu lernen. Wichtiger ist die Frage, welches Wort einem im eigenen Alltag tatsächlich begegnen wird.

Portugiesisch wird außerdem nicht nur in Brasilien und Portugal gesprochen. Die Sprache ist in unterschiedlichen Ländern, Regionen und Gemeinschaften verankert. Sprachliche Unterschiede können auch zwischen Generationen, sozialen Gruppen und Kommunikationssituationen auftreten.

Die Unterscheidung zwischen brasilianischem und europäischem Portugiesisch ist deshalb ein sinnvoller Ausgangspunkt, beschreibt aber nicht die gesamte Vielfalt der Sprache.

Wo wird Ihr Portugiesisch tatsächlich gebraucht?

Statt ausschließlich zu fragen „Welches Portugiesisch soll ich lernen?“, lohnt es sich, konkretere Fragen zu stellen:

  • Mit welchen Menschen werde ich sprechen?
  • Wo werde ich Portugiesisch verwenden?
  • Für welche beruflichen, persönlichen oder schulischen Situationen brauche ich die Sprache?
  • Welche Sprechweisen werde ich besonders häufig hören?

Aus diesen Antworten lässt sich eine sinnvolle Reihenfolge ableiten:

Lebensziel → Menschen → Ort und Gemeinschaft → Kommunikationsumgebung → Sprachmaterial → Lernweg.

Das bedeutet nicht, dass man sich dauerhaft auf eine einzige portugiesische Varietät beschränken und alle anderen ignorieren muss.

Man kann zunächst eine stabile Grundlage für die eigene Ausdrucksweise entwickeln, die zur wichtigsten Kommunikationsumgebung passt, und gleichzeitig schrittweise lernen, andere Varietäten zu verstehen.

Dabei sollte man zwei Fähigkeiten unterscheiden: Wie spreche ich selbst? und Welche Formen gesprochener Sprache kann ich verstehen?

Beide Fähigkeiten hängen zusammen, müssen sich aber nicht im gleichen Tempo entwickeln.

Eine besondere Herausforderung für Deutschsprachige

Wer mit Deutsch als Ausgangssprache Portugiesisch lernt, bringt bestimmte Erwartungen an Aussprache, Schriftbild und Laut-Buchstaben-Zuordnungen mit.

Diese Erwartungen sind nicht grundsätzlich falsch. Sie beruhen auf Erfahrungen mit einer anderen Sprache.

Problematisch wird es erst, wenn man sie unbewusst auf das Portugiesische überträgt.

Ein geschriebenes Wort kann vertraut aussehen und trotzdem anders klingen als erwartet. Auch das Verhältnis zwischen geschriebenen und gesprochenen Formen kann je nach portugiesischer Varietät unterschiedlich wahrgenommen werden.

Gerade deshalb ist die Wahl geeigneter Hörmaterialien nicht bloß eine technische Frage. Sie beeinflusst, welche Aussprachemuster man zuerst kennenlernt und welche Erwartungen beim Hören entstehen.

Für Deutschsprachige kann es daher besonders hilfreich sein, von Anfang an zu wissen, in welchem sprachlichen Umfeld das eigene Portugiesisch hauptsächlich eingesetzt werden soll.

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Die Erklärungen erfolgen auf Englisch. Portugiesischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Weiterführende Artikel und Lernmaterialien

Warum Portugiesischlernen mit Entscheidungen beginnt

Der englischsprachige Fachartikel There Is No Neutral Portuguese: Why Your Learning Path Has to Begin with Decisions untersucht ausführlicher, wie persönliche Ziele, Gesprächspartner und sprachliche Umgebungen die Auswahl von Lernmaterialien und den Aufbau eines Lernwegs beeinflussen.

Warum Portugiesisch anders klingt, als Deutschsprachige erwarten

Im deutschsprachigen Artikel Warum Portugiesisch anders klingt, als Deutschsprachige es erwarten geht es um die Erwartungen, die Deutschsprachige an die Aussprache des Portugiesischen herantragen, und darum, weshalb das tatsächliche Klangbild überraschen kann.

Wie Portugiesisch wahrgenommen wird

Die Unterschiede zwischen portugiesischen Varietäten betreffen nicht nur einzelne Wörter. Aussprache, Sprechrhythmus und Lautreduktionen spielen eine wichtige Rolle für das Hörverstehen.

Die Artikel Wie Portugiesisch für Sprecher anderer Sprachen klingt und Portugiesisch durchs Gehör: echte Wörter, echte Klänge, echte Wahrnehmung vertiefen die Frage, wie wir gesprochene Sprache wahrnehmen und warum das Erkennen vertrauter Wörter nicht immer einfach ist.

Individuell Portugiesisch lernen

Der Beitrag Warum das Lernen von Portugiesisch mit einem Privatlehrer sich anfühlt wie das Öffnen einer neuen Welt beschäftigt sich mit der Bedeutung persönlicher Lernziele und individueller Begleitung.

Informationen zum Unterricht finden Sie auf der Seite Portugiesisch online lernen der Levitin Language School.

Der zentrale Gedanke

Der Name einer Sprache sagt uns, was wir lernen möchten. Aber erst unsere Lebenssituation, unsere Gesprächspartner und unsere tatsächlichen Bedürfnisse helfen uns zu entscheiden, wo und wie wir anfangen sollten.

Videolektion Nr. 21 aus der Bildungsreihe Language as Decisions.

Lernsprache: Portugiesisch
Niveau: Beginner
Erklärungssprache: Englisch

Autor: Tymur Levitin
Gründer der Levitin Language School

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